Psychopharmaka? Haben Sie es denn schon einmal mit Bohnen probiert?

Wussten Sie, dass Bohnen unter bestimmten Umständen Ihre Stimmung beeinflussen können?

Sogar, ohne, dass Sie diese essen? Bestimmt fragen Sie sich jetzt, "was haben Bohnen mit meiner Befindlichkeit zu tun?"
Bohnen? Ja, ganz normale trockene Bohnen! Am besten so dicke, bunte, Feuerbohnen zum Beispiel. Nein, Sie sollen sie nicht essen und es ist auch egal, ob Sie Bohnen als Speise mögen oder nicht. Diese Bohnen können Ihnen jedoch helfen, Ihre Stimmung und Ihre Einstellung zu verändern, ja sogar dazu beitragen, dass kleine Aufgaben, die Sie sich setzen, von Ihnen leichter realisiert werden. Und wie das geht, ist ganz einfach!

Für Eilige: Was muss ich tun?

Besorgen Sie sich bei Ihrem nächsten Einkauf eine Packung Bohnen. Besser große, dicke, die auch einzeln gut in der Hand liegen. Nehmen Sie eine Handvoll Bohnen und packen Sie diese in Ihre linke Hosentasche. Nun kommt es darauf an, welchen Effekt Sie erzielen wollen.

Beispiel 1.


Nehmen wir an, Sie sind davon überzeugt, Ihnen würde nichts gelingen.
Packen Sie morgens eine Handvoll Bohnen in Ihre linke Hosentasche. Gut! Ihr Tag kann beginnen. Beobachten Sie sich und das Tagesgeschehen nun unter dem Aspekt, „was klappt, was funktioniert, was habe ich hinbekommen.“ Da wäre vielleicht das erfolgreiche Einparken oder daran gedacht zu haben, morgens noch schnell die Briefe in den Kasten geworfen zu haben! Vielleicht haben Sie daran gedacht, einem Freund zum Geburtstag zu gratulieren, dem Chef gesagt, dass ein Auftrag nicht geklappt hat, obwohl Ihnen das unangenehm war…
Zu banal? Mitnichten! Wann immer Ihnen etwas gelingt, nehmen Sie eine Bohne aus der linken Hosentasche und packen Sie sie in die Rechte!

Beispiel 2.


Nehmen wir nun an, Sie sind davon überzeugt Ihr Leben sei freudlos und „alles“ ist Mist. (Ja, wir bewegen uns hier schon auf „depressivem Terrain“)
Es gilt wieder die Bohnen morgens in die linke Hosentasche zu packen. Dann geht es los. Hat Sie die Verkäuferin beim Bäcker wiedererkannt und freundlich gegrüßt? Eine Bohne in die rechte Hosentasche packen! Sie haben einen Parkplatz nah der Firma erwischt? Eine Bohne nach rechts! In der Mittagspause hat kurz die Sonne geschienen und Sie konnten den Kaffee bei offenem Fenster in der Sonne trinken? Eine weitere Bohne in die rechte Tasche! Sie haben daran gedacht Kaffee zu trinken und die Sonne zu nutzen. Bohne nach rechts! Und so weiter.

Abends – am besten, vor dem zu Bett gehen – leeren Sie die rechte Tasche und schauen sich die Bohnen an. Wieviele Bohnen sind es heute? Welche Bohne stand wohl für was? Erinnern Sie sich noch an die kleinen oder größeren Ereignisse? Versuchen Sie für eine Minute die dazu gehörigen Bilder aufzurufen. AUCH, wenn das erhoffte gute Gefühl noch nicht aufkommt.
Machen Sie das jeden Tag. Regelmäßig! Vielleicht im Sinne eines Experiments über mindestens zwei Wochen!

Worauf kommt es dabei an?

Ganz wichtig - sammeln sie positive Ereignisse und Erlebnisse. Auf keinen Fall sollten Sie Verfehlungen beobachten, um einen vermeintlichen Abbau zu erkennen. Suchen Sie sich, ausgehend von Ihrer unerwünschten Negativhaltung, Ihrer Grundüberzeugung über sich und die Welt (Ich kann nichts, keiner mag mich, ich habe immer Pech, ich kann nichts behalten, keiner spricht mit mir...) passende „Gegenereignisse“.

Annahme: keiner spricht mit mir. Erfahrung: ich werde im Bus angesprochen, ich erhalte einen Anruf…
Annahme: ich bin ein Pechvogel. Erfahrung: Ich habe einen Kinositz in der Mitte erhalten, ich habe im Supermarkt meine Lieblingswurst im Angebot erhalten…

Dabei ist es wichtig, bewusst auf den Alltag zu schauen und scheinbar unwichtige oder abgewertete Aspekte wieder gewahr zu werden.

Folge:
Es findet langsam eine Umdeutung statt. Sie werden wieder mehr und andere Aspekte Ihres täglichen Lebens wahrnehmen. Die einseitige Sicht durch eine von negativen Glaubenssätzen geprägte Wahrnehmung öffnet sich.

Halten Sie Kurs und vor allem, MACHEN Sie das. Theoretisch geht das leider nicht. Sie können nicht einfach nur so daran denken. Ablauf und beschriebene Handlung, inklusive der abendlichen Tagesrückschau, sind enorm wichtig. Aber was sage ich, probieren Sie es doch einfach mal aus!

Für alle, die sich für die Hintergründe der Wirkung interessieren und wissen wollen, WARUM das helfen kann:

Dazu ein paar kurze Informationen darüber, wie unsere Gefühle und unsere inneren Überzeugungen aufgebaut werden.
Wenn wir bedrückt, unzufrieden, traurig oder gar in depressiver Stimmung sind, vielleicht auch schon ein paar Tage länger, bestimmt diese Stimmung unsere Wahrnehmung. Das ist ein allgemeines Phänomen. Stimmung selektiert Wahrnehmung. Bin ich guter Dinge, nehme ich positive Ereignisse besser, beziehungsweise eher und deutlicher wahr. Bin ich bedrückt, erschöpft, traurig, fällt es mir erheblich schwerer, positive Tagesschnipsel wirklich mitzubekommen und aufzunehmen. Das gilt übrigens auch für unsere Erinnerung! Wenn Sie gelöst und fröhlich sind, erinnern Sie mehr dazu passende Ereignisse. Umgekehrt gilt das leider auch.
Und das ist ganz bedeutsam jetzt.

Jeder Gedanke, den Sie denken kreiert eine Nervenverbindung!

Lesen Sie den folgenden Satz:

Ich bin geliebt und willkommen!

Sie können nicht lesen ohne dabei zu denken. Jeder Satz, den Sie lesen, kreiert einen Gedanken, ob Sie wollen oder nicht.

Einen Gedanken, der wiederum je nach Inhalt und Aussage, Auswirkung auf die Struktur, auf die Ausrichtung, Ihrer Nervenverbindungen in Ihrem Gehirn hat. Wenn Sie den Satz gelesen haben, werden Sie mit Blick auf die dazu gehörigen ausgelösten Gefühle merken, dass dadurch entweder ein innerer Widerspruch ausgelöst wird - was sich durch eine kleine Spannung oder gar Abwehr bemerkbar macht - oder sie fühlen sich bestätigt, erleben vielleicht sogar ein kleines Wohlgefühl. Nämlich dann, wenn die Aussage zu Ihren vorhandenen Konzepten passt.
Der Satz und die damit zusammenhängenden Gedanken passen also zu Ihrer vorhandenen Überzeugung - oder eben auch nicht. Bestehende Nervenverbindungen können weiter benutzt werden oder sich sogar ausbauen (= Bestätigung) oder bestehende Verbindungen passen nicht, müssten abgebaut und durch neue, passende Verbindungen, ersetzt werden. (mühsam, Unbehagen, Abwehr) Je nachdem also, wie Ihr inneres Überzeugungs- und Wertesystem und die damit einhergehende Vernetzung in Ihrem Gehirn bereits beschaffen ist.

Es gilt, jeder Gedanke, der auf schon bereits bestehende passende Verbindungen trifft, stärkt diese und regt weitere ähnliche Verbindungen mit anderen Zellen an. In Ihrem Gehirn werden also immer mehr Nervenzellen Verbindungen eingehen, die in diese Richtung zielen. Wie bei einem Muskeltraining, werden so innere Haltungen und Überzeugungen aufgebaut und verstärkt. Diese erzeugen Haltungen, Gefühle, die uns passende Situationen und Stimmungen aufsuchen und wahrnehmen lassen und gegensätzliche Informationen eher ausfiltern. Umso intensiver, je mehr Nervenzellen sich bereits entsprechend vernetzt haben. Das macht es im Falle einer Depression oder negativer Grundüberzeugung leider manchmal auch sehr schwer, aus der Stimmung heraus zu kommen. Vorteilhafte Erlebnisse und Erfahrungen werden gemieden oder einfach schlechter wahrgenommen.

Wieso ist diese einfache kleine Übung dann hilfreich?

Hier kommen gleich mehrere Aspekte ins Spiel:

Aufmerksamkeit, Absicht, Handlung und Wiederholung.

Sie nehmen sich vor, bestimmte Dinge zu beobachten (Absicht). Die Bohnen sind ungewöhnlich und nicht Teil Ihres üblichen Tagesgeschehens (Aufmerksamkeit). Sie müssen eine Beobachtung mit einer Handlung verbinden, indem Sie eine Bohne von links nach rechts packen (Handlung). Sie holen am Abend die Bohnen aus der rechten Tasche und beschäftigen sich damit (Handlung und Wiederholung). Sie stellen sich die Ereignisse nochmals vor (Wiederholung).

Je mehr Teile unseres Gehirns an einer Sache beteiligt sind, umso intensiver findet ein Umbau/Aufbau entsprechender Strukturen statt. Ich sehe, fühle, handle, denke…
Diese Übung stärkt Sie also in Ihrem Umbau bestehender negativer Konzepte auf vielen Ebenen!

Try!

Michael Schulze

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